Christian Dressel bau von Drehorgeln
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Der Wunsch zu einer eigenen Drehorgel

Auslöser war die Silberhochzeit meines Schwiegervaters bei der der Gemeindepastor auf einer kleinen Bauchdrehorgel ein Ständchen spielte. Schon immer haben wir in unseren Urlauben in den Niderlanden die gewaltigen Straßenorgeln bewundert und die Musik zu schätzen gelernt. Nun durfte mein Sohn Torben auf dieser kleinen Orgel ein Stück spielen und hatte dabei ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Der Wunsch nach einer eigenen Drehorgel war geboren!

Nach einigen Erkundigungen im Internet war klar, dass eine Drehorgel sehr teuer und nicht mal eben aus der Familienkasse zu bezahlen ist. Auch für gute gebrauchte Orgeln sind noch einige tausend Euro zu zahlen. Ein Bausatz für ein einfaches Instrument eines namhaften Drehorgelherstellers aus Berlin sollte mit 1600€ zu Buche schlagen. Nach Kenntnis der Bausatzteile war mir klar, dass ich als gelernter Schreiner und Flugmodellbauer eigentlich keine Schwierigkeit sein sollte, eine Orgel selber zu bauen. Eine deutschsprachige Baubeschreibung für eine Drehorgel mit 20 Tonstufen und vier Registern konnte ich in Holland erworben.

 

Die Bauanleitung wurde sorgfältig studiert. Da ich überhaupt keine Ahnung hatte wie eine Drehorgel funktioniert kamen immer mehr Fragen auf je mehr ich wusste. Es war eine spannende Zeit, in der über das Internet einige Kontakte zu anderen Hobby-Drehorgelbauern geknüpft wurden, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite standen und zu denen heute noch gute Freundschaften bestehen.

 

Nun mussten 56 Holzpfeifen, ein Steuerkasten, ein Blasebalg, ein Ventilkasten, ein Gehäuse und etliche Kleinteile erstellt werden.

Schwer zu erstellende Teile wurden gleich mehrmals gebaut und das Best  für die Orgel genommen. Nun war ich mit dem Orgelvirus infiziert. Ist ein Bauabschnitt abgeschlossen, machte ich mich schnell an den nächsten. Nach genau 12 Monaten Bauzeit und etlichen Stunden im Hobbykeller war die Orgel (Höffle) fertiggestellt. Ein altes Kinderwagengestell wurde nun noch zu einem Orgelwagen umgebaut, um die fast 40 kg schwere Orgel transportieren zu können.

 

Die Drehorgel ist ein mechanisches Musikinstrument. Meine Höffle wird über Lochbänder gesteuert. Immer dann, wenn ein Loch vom Spielblock vom Lochband freigegeben wird, öffnet sich ein Ventil und ein Pfeifenton erklingt.

Die Höffle-Orgel hat vier Register mit jeweils 11 Melodiepfeifen, sechs Begleitpfeifen und drei Bass- und Oktavbasspfeifen auf der Bodenplatte. Der benötigte Luftstrom wird mit einem Doppelschöpfbalg erzeugt. Er ist im unteren Teil der Orgel und wird über die Kurbel angetrieben. Sie transportiert beim Spielen auch das Lochband. Das ist Technik die begeistert und das ganz ohne Strom!

 

Damit alles sauber klingt, muss die Orgel gestimmt werden. Mit einem elektronischen Stimmgerät ist das kein Problem. Voraussetzung für einen guten Klang ist natürlich der saubere Bau aller Teile, besonders der Pfeifen, denn diese Orgel muss mit 20 Tönen auskommen. Beim Betrachten der vorhandenen Töne auf einer Klaviatur wird schnell sichtbar, dass etliche Töne in der Tonreihenfolge fehlen. Die Kunst ist es, mit den 20 zur Verfügung stehenden Tönen das Musikstück zu arrangieren. Das macht den besonderen Klang der Drehorgel aus. Da wird das menschliche Gehör schon mal ausgetrickst, indem ein Triller für einen fehlenden Ton erklingt und eine Melodie sich in einer tieferen Lage fortsetzt, weil die oberen Töne fehlen. Musikrollen werden heute noch für alle Musikrichtungen angeboten.

 

Drehorgelspieler sind selten geworden. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht gefragt sind. Gespielt habe ich schon auf Weihnachtsfeiern, Sommerfesten, Geburtstagen und Hochzeiten.